Lisa ist seit 2023 geschäftsführende Bildungsreferentin beim Adivasi-Tee-Projekt (ATP) und die derzeit einzige Hauptamtliche der Initiative. Mitte 2025 ist sie Teil des Coworking-Teams im Haus des Engagements geworden. Wir sprechen mit Lisa über ihr Engagement und über Superkräfte.

Wie bist du ins Haus des Engagements gekommen und was machst du hier?
Zwischen unseren Bildungsveranstaltungen saß ich etwas zu viel alleine im Home Office herum. Deshalb suchte ich in Hamburg nach Büro-Orten, wo sich optimalerweise in den Pausen eine Person zum schnacken findet. Da unsere Initiative kein Budget für Büroräume hat, stellte sich die Suche als Herausforderung dar. Nach ca. einem Jahr hat mir zufällig jemand vom Haus des Engagements erzählt und ich konnte mein Glück kaum fassen – ein gemeinschaftlicher Ort für Engagierte verschiedener Bereiche mit der Möglichkeit, kostenfrei für gemeinnützige Organisationen an einem Co-Working-Tisch zu sitzen. Dieses Konzept fand ich toll und hab mich direkt für die Info-Tour angemeldet.
Für welche Themen oder Projekte engagierst du dich aktuell bzw. wofür hast du dich in der Vergangenheit eingesetzt?
Im Adivasi-Tee-Projekt arbeite ich mit einem deutschlandweit verstreuten ehrenamtlichen Team zu den Themen Fairer Handel mit Adivasi (indigenen Communities in Indien) und Bildung für nachhaltige Entwicklung. Mich inspiriert vor allem der familiäre, warme Kontakt mit unseren Partner*innen in Südindien – die langjährige transkulturelle Freundschaft bildet die Basis unseres Engagements und wir teilen die Vision von globaler Gerechtigkeit. Zwei Mal habe ich schon Besuche von indischen Partner*innen in Deutschland organisiert und betreut. Begegnungen mit Adivasi hinterlassen bei unseren Zielgruppen immer einen bleibenden Eindruck und sind super inspirierende Momente für globales Lernen. Im Jahr 2025 war mein Fokus Dekoloniale Ansätze im entwicklungspolitischen Engagement. Im Rahmen eines Wochenend-Seminars in Göttingen beschäftigte sich das ATP in seiner 30-jährigen Geschichte zum ersten Mal ausführlich mit Kolonialismus und Rassismus. Das Seminar hab ich gemeinsam mit der Gruppe Göttingen Postkolonial geplant und durchgeführt und es war (und ist) ein sehr wertvoller und eindrücklicher Prozess für alle Beteiligten.
Was bedeutet für dich persönlich freiwilliges Engagement?
Derzeit beschäftigt mich vor allem Community Building. Wenn ich darüber nachdenke, wofür ich mich in der Welt engagieren sollte, dann sind das tragfähige, nachhaltige und verantwortungsvolle Beziehungen. Um Hass und Hetze etwas entgegenzusetzen, und auch um solidarisch zu handeln.
Welche Bedeutung hat freiwilliges Engagement deiner Meinung nach für die Gesellschaft?
Freiwilliges Engagement schafft Mehrwert für die Gesellschaft, wenn Bündnisse entstehen oder etwas gemeinsam entwickelt und umgesetzt wird. Manchmal wirkt Engagement durchaus auch still und langsam. Ohne freiwilliges Engagement würde irgendwie der Zusammenhalt fehlen. Ich glaube, dass soziale Ressourcen und solidarische Netzwerke essenziell sind für eine gelingende sozial-ökologische Transformation der Gesellschaft.
Gibt es engagierte Personen oder Projekte, die dich besonders beeindrucken?
Sea-Watch e.V. und RESQSHIP e.V.: Es macht mich zwar sauer, dass Seenotrettung von der Zivilgesellschaft organisiert werden muss, und gleichzeitig bin ich zutiefst beeindruckt von allen Menschen, die dazu beitragen.
Hamburg Dekolonial e.V.: Wie wunderbar, dass sich in Hamburg gerade ein Dachverband gründet, der Kolonialkritik in Hamburg noch sichtbarer machen möchte.
Vor welchen Herausforderungen stehen Engagierte deiner Meinung nach?
Eine Rolle spielt das Budget und die Sicherheit von Rahmenbedingungen für Engagement. Ob wir zum Beispiel weiterhin Fördergeld bekommen für unsere Bildungsarbeit, hängt auch davon ab, wer im Ministerium für Zusammenarbeit und Entwicklung sitzt und wieviel Budget im Bundeshaushalt für zivilgesellschaftliches Engagement beschlossen wird. In den letzten Jahren hören wir oft von „notwendigen Sparmaßnahmen“ im Bildungsbereich, während z.B. das Militär mehr Geld bekommen soll. Engagierte werden in dieser Priorisierung des Bundeshaushalts nicht ausreichend wertgeschätzt.
Des weiteren stellen wir im Austausch mit unseren Partner*innen in Südindien fest, dass eine steigende Individualisierung in den Gesellschaften dazu führt, dass Menschen sich nicht festlegen wollen, nicht lange an einem Ort aktiv sind und sich nur vorübergehend irgendwo engagieren. Wenn Engagement unverbindlicher wird, dann stehen Initiativen vor der Herausforderung, eher kurzfristige Engagement-Möglichkeiten anzubieten, als auf langfristige Mitgliedschaften und Kooperationen zu setzen.
Wie sieht eine Welt-Utopie für dich aus?
Frieden. Konflikte werden diplomatisch gelöst – es gibt keine zivilen Opfer von bewaffneten Konflikten, Ausbeutung oder Machtmissbrauch. Privilegiertere Menschen handeln solidarisch. Kreislaufwirtschaft. Die Natur hat ein Recht darauf, geschützt zu werden – es ist genug für alle Grundbedürfnisse da.
Welche Superkraft hättest du gern, wenn du eine wählen könntest?
Die Konten und Geldanlagen überreicher Personen plündern und umverteilen.
Zuletzt: Gibt es einen Ort in Hamburg, den du den Leser:innen ans Herz legen möchtest?
War jemand schonmal bei Minitopia in Wilhelmsburg? Ansonsten kann ich auch den Lernort KulturKapelle auf der Insel empfehlen 🙂
Wenn du offen für die Kontaktaufnahme durch andere Coworkende und Interessierte bist, gib hier gerne noch deine Kontaktdaten an:
Name: Lisa Baumann
Tel: +49151 53983413