Das Haus des Engagements im Neuen Amt Altona ist eröffnet: Zwei Tage voller Begegnungen, Ideen und gemeinsamer Aufbruchsstimmung

Nach sieben Jahren Vorbereitung, Planung, Abriss und Bau ist es endlich so weit: Das Neue Amt Altona hat seine Türen geöffnet – und mit ihm das neue Haus des Engagements. In der Neuen Großen Bergstraße 3–5, nur einen Steinwurf vom Altonaer Bahnhof entfernt, entsteht nun ein neuer Freiraum für freiwilliges Engagement in Hamburg.
Mehr als 700 Menschen kamen am 28. und 29. August zu den Eröffnungstagen zusammen: Engagierte, Initiativen, Vereine, Unterstützer*innen und Wegbegleiterinnen, Vertreter*innen aus Politik, Verwaltung und Stiftungen sowie viele Menschen aus der Nachbarschaft feierten gemeinsam diesen neuen Ort der Begegnung, Vernetzung und Teilhabe.
Wo früher die Verwaltung im alten Finanzamt Altonas ihren Platz hatten, entsteht nun ein offener Ort im Neuen Amt Altona (NAA): für Kreativschaffende und Coworker*innen in der Genossenschaft und für die Hamburger Zivilgesellschaft. Das Haus des Engagements im NAA ist als Hamburger Kompetenzzentrum die neue Anlaufstelle und der Treffpunkt für alle, die Hamburg aktiv mitgestalten möchten.
Schon die Lage ist dabei Programm: Der neue Standort in Altona ist gut erreichbar, sichtbar und offen für ganz unterschiedliche Menschen und Formen des Engagements.
Am Freitag wurde die Eröffnung in festlichem Rahmen gefeiert: In ihren Grußworten blickten die Rednerinnen auf die Geschichte des Hauses zurück und richteten zugleich den Blick nach vorn. Zu den Gästen und Rednerinnen gehörten unter anderem Steffen Ries, Amtsleitung der Sozialbehörde, Dr. Lilian Schwalb, Geschäftsführerin des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement (BBE) sowie Henning Baden von der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE).

Doch die Eröffnung war weit mehr als ein Fest. Sie war auch Anlass, über die aktuelle Situation des bürgerschaftlichen Engagements zu sprechen. Dr. Lilian Schwalb machte in ihrer Rede auf das Phänomen der „shrinking spaces“ aufmerksam – die zunehmend enger werdenden Räume für Beteiligung, Kritik und demokratische Selbstorganisation. Bürokratische Hürden, kürzere Fristen und fehlende Ressourcen können Engagement massiv schwächen. Umso wichtiger seien Orte, die zivilgesellschaftliches Handeln stärken und seine Eigenständigkeit bewahren. „Engagement ist kein bloßes Zusatzangebot staatlichen Handelns. Eine lebendige Demokratie lebt auch von den Menschen, die sich in Umweltprojekten, in der Geflüchtetenhilfe, in Kulturvereinen, Nachbarschaftsinitiativen und vielen anderen Bereichen einbringen.“, so Schwalb.
Das Haus des Engagements möchte dafür ein Ankerpunkt sein: ein Ort, an dem Ideen entstehen und ausprobiert werden können, an dem Menschen Unterstützung finden und an dem die großen Fragen unserer Zeit gemeinsam diskutiert werden.
Henning Baden von der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) brachte die Idee des Hauses mit einem besonderen Bild einer Kassette auf den Punkt: einem analogen Mixtape mit fünf Songs. Einer davon – angelehnt an „Our House“ von Madness – steht für eine zentrale Eigenschaft des Hauses: Es ist ein Haus ohne Türsteher.
Das bedeutet auch: Unterschiedliche Formen des Engagements sollen hier ihren Platz finden. „Engagement verändert sich. Immer weniger Menschen engagieren sich ausschließlich in klassischen Vereinsstrukturen. Informelle, projektbezogene und spontane Formen des Mitmachens gewinnen zunehmend an Bedeutung.
Ob langjähriger Verein, neu gegründete Initiative oder Menschen, die einfach eine Idee haben und loslegen möchten – das Haus des Engagements soll Raum für unterschiedliche Wege des Mitmachens bieten. Das ist sehr unterstützenswert.“, resümierte Baden.
Hinter dem Haus steht eine starke Partnerschaft: Das Projekt wird von einem breiten Trägerverbund aus dem AKTIVOLI-Landesnetzwerk und der BürgerStiftung Hamburg getragen und ist in die Hamburger Engagementstrategie eingebettet. Gleichzeitig besteht eine enge Kooperation mit dem betahaus und dem Neuen Amt Altona.
Für Initiativen und Vereine bietet das Haus des Engagements ganz konkrete Unterstützung: Kostenfreie Arbeitsplätze, WLAN, Drucker sowie Besprechungs- und Veranstaltungsräume stehen zur Verfügung. Damit entsteht eine Infrastruktur, die insbesondere für kleine Initiativen und Organisationen ohne eigene Räume eine wichtige Unterstützung sein kann.
Gleichzeitig ist das Haus selbst ein Ort der Begegnung. Denn manchmal entstehen neue Kooperationen nicht am Schreibtisch, sondern ganz nebenbei – zum Beispiel bei einem Kaffee. Wenn Kulturschaffende auf Umweltaktive treffen, Wohlfahrtsverbände auf Nachbarschaftsinitiativen oder erfahrene Vereine auf junge Gruppen, können daraus neue Ideen und gemeinsame Projekte entstehen.

Auch der Samstag machte deutlich, was diesen neuen Ort ausmachen soll. Beim Tag der Offene Tür konnten Engagierte, Initiativen, Vereine, Partner*innen und Interessierte das Haus kennenlernen, hinter die Kulissen schauen und die Menschen und Organisationen entdecken, die künftig unter einem Dach zusammenarbeiten.
Auf dem Community-Marktplatz, bei Entdeckungstouren, in Gesprächen mit engagierten Berater*innen und bei Kreativaktionen wurde erlebbar, was das Haus zusammenhält: Begegnung, Vernetzung, Unterstützung und gemeinsames Engagement.
Auch im gesamten Neuen Amt Altona wurde gefeiert – mit Kunst, Kultur, Musik, Köstlichkeiten, Tischtennis und vielen weiteren Angeboten. Hunderte Menschen aus der Community, der Nachbarschaft und darüber hinaus machten das Eröffnungswochenende zu einem besonderen gemeinsamen Erlebnis.

Nach diesem besonderen Eröffnungswochenende ist die Freude groß – und gleichzeitig die Vorfreude auf das, was nun kommt.
Das Haus des Engagements möchte eine Infrastruktur für alle sein: für den langjährigen Traditionsverein ebenso wie für die neue Nachbarschaftsinitiative oder für Menschen, die gerade erst auf der Suche nach Gleichgesinnten sind.
Die Einladung ist deshalb ausdrücklich offen: Vorbeikommen, kennenlernen, Ideen einbringen und mitgestalten. Denn mit der Eröffnung ist zwar ein siebenjähriger Weg zu Ende gegangen. Gleichzeitig beginnt jetzt etwas Neues: ein Ort, der vom Engagement der Menschen lebt, die ihn nutzen, mit Leben füllen und gemeinsam weiterentwickeln.
Fotos: Christian Platz