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28.02.2025

Butter bei die Fische: Wie fairsorgt ist Hamburg?

Politisches Meet-up am Equal Care Day 2025

Mitreden, mitgestalten, vernetzen – denn Care-Arbeit geht uns alle an! Am 28. Februar lud die Initiative Equal Care Hamburg ab 19 Uhr ins Haus des Engagements auf der Hamburger Sternschanze ein. Ziel der Veranstaltung war, Sorgearbeit sichtbar zu machen, für mehr Gleichberechtigung in bezahlter, privater und ehrenamtlicher Care-Arbeit einzutreten und Austausch zu fördern.

Copyright: Andreas Spiegler

Care-Arbeit ist das Rückgrat unserer Gesellschaft

Care-Arbeit – ob in der Kinderbetreuung, Pflege oder Gesundheitsversorgung – ist das Rückgrat unserer Gesellschaft. Doch ihre ungleiche Verteilung führt zu erheblichen sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen. Besonders in Hamburg ist das spürbar: Fehlende Kita-Plätze erschweren die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, während Überlastungen in Krankenhäusern und fehlende Wertschätzung von Care-Arbeit den Fachkräftemangel in systemrelevanten Bereichen verschärfen. Die Initiative Equal Care Hamburg brachte Expert*innen und Engagierte am Equal Care Day zusammen, um Lösungsansätze zu diskutieren – von gleichberechtigter Elternschaft über bessere Kita-Strukturen bis hin zu nachhaltigeren Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen.

Speaker*innen aus Wirtschaft, Medizin, Bildung und Politik

Mit kurzen inhaltlichen Pitches von Aktivist*innen und lebendigen Diskussionen eines hochkarätig besetzten politischen Panels beleuchtete unser Meet-up das Thema Care-Arbeit aus unterschiedlichen Blickwinkeln – praxisnah und zukunftsweisend. Ein vielschichtiges Thema wurde in einem Kaleidoskop an Perspektiven greifbar gemacht. Renommierte Speaker*innen aus Wirtschaft, Medizin, Bildung und Politik geben wertvolle Impulse.

Mit dabei waren:

  • Hanna Drechsler (Equal Care Expertin und systemische Beraterin)
  • Benedikt Hensel (Geschäftsführung beim Kita-Verbund Kindermitte e.V.)
  • Dr. med. Nina Hector
  • Dr. med. Caroline Gewiss (Founder von doc:Resource)

Das politische Panel war hochkarätig besetzt mit:

  • Mareike Engels (MdHB, Vizepräsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft, Sprecherin für Soziales, Frauen und Gleichstellung der GRÜNEN Bürgerschaftsfraktion)
  • Deniz Celik (MdHB, Abgeordneter und Vizepräsident der Hamburgischen Bürgerschaft, Sprecher für Gesundheit, Senior:innenpolitik, Antifaschismus und Innenpolitik der Partei DIE LINKE)
  • Britta Peters (Spitzenkandidatin für die Hamburger Bürgerschaft der Partei VOLT)
  • Eckehard Wysocki (MdHB, Mitglied im Ausschuss Gleichstellung und Antidiskriminierung von der SPD)
  • Ilona Isfort (Bürgerschaftskandidatin der FDP)

Ergebnisse und Learnings aus den Diskussionen

Care betrifft jeden und jede – das war bei den teilweise sehr persönlichen Diskussionsbeiträgen deutlich zu spüren. Sie haben zudem gezeigt: es gibt in Hamburg eine Menge zu tun, bis Sorgearbeit fair aufgeteilt ist – auch durch die Politik! Equal Care ist ein Querschnittsthema, das in vielen Kontexten und damit auch politischen Ressorts relevant ist und mitgedacht werden muss.

Gleichberechtigung in der Elternzeit: Wege zur Reduzierung des Gender Care Gaps
Der Gender Care Gap bei der privaten Care-Arbeit ist nach wie vor hoch, insbesondere bei Familien mit kleinen Kindern. Frauen leisten den überwiegenden Teil privater Sorgearbeit – mit weitreichenden ökonomischen Folgen. Bestehende Elternzeitregelungen setzen zu wenige Anreize für eine gleichberechtigte Aufteilung der Elternzeit. Eine gemeinsame Familienstartzeit von zwei Wochen für das jeweils zweiten Elternteil kann ausgleichend wirken. Ein Landeselterngeldmodell, das diejenigen Familien fördert, die sich die Elternzeit gleichberechtigt aufteilen, motiviert mehr Eltern, private Sorgearbeit egalitärer aufzuteilen.

Frühkindliche Bildung und Geschlechtergerechtigkeit: Warum Hamburg in Kitas investieren muss
Kitas spielen beim Thema Equal Care eine besonders entscheidende Rolle: sie entlasten Eltern von Sorgearbeit und ermöglichen Erwerbsarbeit. Sie sind aber auch ein wichtiger Ort der Sozialisation von Kindern. Damit sie als solcher allen Kindern offenstehen und Bestmögliches für die Inklusion leisten können, bedarf es niedrigschwelliger Beratung und vermehrter Kita-Sozialarbeit. Fachkraftschlüssel müssen Ausfälle berücksichtigen und verbessert werden. Fachkarrieren als Perspektive für pädagogische Fachkräfte halten diese im Beruf.Die Qualifizierung des Personals zahlt auf die Qualität der Kita-Arbeit ein. Ebenso verbesserte Personalschlüssel. In eine gute frühkindliche Bildung zu investieren lohnt sich für eine Stadt wie Hamburg ganz sicher. Die meisten pädagogischen Fachkräfte in Kitas sind weiblich. Männliche Erzieher sind wichtige Vorbilder, die Kindern vermitteln: Fürsorge hat kein Geschlecht. Deshalb muss der Männeranteil in Kitas durch Maßnahmen wie Kampagnen weiter erhöht werden. Geschlechtergerechtigkeit zu vermitteln, vorzuleben und in der Entwicklung zu unterstützen muss eine zentrale Aufgabe der Kitas sein. Entsprechende Richtlinien muss die Stadt ausgeben und deren Umsetzung im Auge behalten. Diese Aufgabe kann nur gelingen, wenn Familien, Unternehmen und Politik unterstützen.

Vereinbarkeit von Care- und Erwerbsarbeit im Arztberuf: Ein gesellschaftspolitisches Thema
Vereinbarkeit von Care- und Erwerbsarbeit ist ein zentraler Schlüssel für Equal Care. Im Arztberuf stellt sich Vereinbarkeit als besondere Herausforderung dar. Der Gender Care Gap bei der privaten Sorgearbeit ist hier besonders hoch. Von allen Menschen im Arztberuf, die 2023 Elternzeit nahmen, waren 97,3% weiblich und nur 2,7% männlich. Somit besteht ein doppelter Gender Care Gap: im privaten wie auch im professionellen Bereich, wo die Ärztinnen fehlen, sobald sie Mütter sind und der Frauenanteil mit zunehmender Hierarchieebene sinkt. Mit weitreichenden Folgen für die Qualität und Inklusivität der Gesundheitsversorgung (GenderHealthGap). Vereinbarkeit kann nur gelingen, wenn die spezifischen Anforderungen des ärztlichen Berufsfeldes einem Modell zugrunde liegen. Dass Equal Care und Dual Career für Ärzte und Ärztinnen gleichermaßen möglich werden, ist ein zukünftiges Qualitätsmerkmal auch für die Hamburger Gesundheitslandschaft. Dies ist kein individuelles, sondern ein gesellschaftspolitisches Thema.

 

Initiative Equal Care Hamburg – Gemeinsam für eine gerechte Verteilung von Sorgearbeit!

Die Veranstaltung wurde von der Initiative Equal Care Hamburg organisiert. Die ehrenamtliche Initiative setzt sich für mehr Wertschätzung, faire Bedingungen und eine gerechtere Aufteilung von Sorgearbeit ein. Unser Ziel: Mehr Vernetzung, mehr Aufklärung, mehr politische Sichtbarkeit! Wir bringen Menschen und Initiativen zusammen, machen Care-Arbeit sichtbar und entwickeln Lösungen für eine starke, nachhaltige Care-Infrastruktur in Hamburg. Denn Care betrifft uns alle – von der Geburt bis ins hohe Alter. Hervorgegangen ist die Initiative aus dem ersten Hamburger Equal Care Day Festival 2024, das sie mitorganisierte.