
Am 22. Februar 2026 haben wir als Initiative Equal Care Hamburg gemeinsam mit dem Museum der Arbeit das Equal Care Day Festival unter dem Titel „Sorgearbeit: gleich, gerecht, gemeinsam?“ veranstaltet. Von 11:00 bis 20:00 Uhr haben wir mit anderen diskutiert, zugehört, gelernt und vernetzt – mit Familien, Sorgegemeinschaften, Engagierten und vielen Menschen, die Care-Arbeit leisten oder sich für mehr Care-Gerechtigkeit einsetzen. Der Aktionstag war für uns weit mehr als eine Veranstaltung: Er war ein starkes Zeichen dafür, dass Sorgearbeit endlich die gesellschaftliche und politische Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient.
Care-Arbeit ins Zentrum rücken
Das Festival fand im Rahmen der Ausstellung „CARE! Wenn aus Liebe Arbeit wird“ (28.10.2025 – 03.05.2026) im Museum der Arbeit statt. Für uns als Initiative war diese Kooperation ein großer Gewinn: Die Ausstellung und das Festival haben sich gegenseitig ergänzt und Care-Arbeit als zentrale gesellschaftliche Frage ins öffentliche Bewusstsein gerückt.
Unser Ziel war und ist es, unbezahlte private Sorgearbeit sichtbar zu machen – jene Arbeit, die Kinder großzieht, Angehörige begleitet, Freundschaften trägt, Gemeinschaften stärkt und unser Zusammenleben überhaupt erst möglich macht. Noch immer wird sie überwiegend von Frauen geleistet, bleibt ökonomisch unterbewertet und politisch zu wenig berücksichtigt.
Der Equal Care Day Hamburg 2026 hat gezeigt: Das Interesse ist groß. Das Festival war ausverkauft und hat 300 Besucher*innen am Sonntag zusammengebracht. Und die Bereitschaft, Verantwortung gerechter zu teilen, wächst.

Politischer Auftakt und klare Botschaften
Eröffnet wurde das Festival mit einem politischen Grußwort von Maryam Blumenthal, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung und Schirmherrin des Equal Care Day Hamburg 2026. Sie betonte, wie zentral eine gerechte Verteilung von Sorgearbeit für echte Gleichstellung ist – und wie eng Care-Arbeit mit Fragen von Teilhabe, Einkommen, Karrierechancen und Altersarmut verknüpft ist. Ihre Worte machten deutlich: Wer über Gleichstellung spricht, muss über Care sprechen.

Austausch, Workshops und neue Perspektiven
Im anschließenden Keynote-Dialog zu fairer Sorgearbeit mit der Autorin des Buches „Für Sorge. Wie Equal Care euer Familienleben rettet“ und LUA-Mitgründerin Jo Lücke und dem Gründer der Initiative Black Dads Germany und ZULA, Alain Missala, sowie in zahlreichen Workshops und offenen Austauschformaten wurde Care-Arbeit in all ihren Facetten beleuchtet:
Besonders wertvoll war für uns der ehrliche Austausch zwischen Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen – von jungen Eltern über pflegende Angehörige bis hin zu Engagierten aus Initiativen und Beratungsstellen. Care-Arbeit wurde hier nicht abstrakt diskutiert, sondern als gelebte Realität sichtbar.
Care & Work – Herausforderungen gemeinsam meistern
Im Workshop „Care & Work – Herausforderungen gemeinsam meistern“ tauschten die Teilnehmenden nach einem fachlichen Impuls von Jana Wittkugel (gsm Fairplay) Erfahrungen zur Pflege von Angehörigen aus. Fachexpert:innen ergänzten im Diskussionskreis Informationen zu Entlastungsangeboten, rechtlichen Rahmenbedingungen und Vorsorgemöglichkeiten. Im Fokus standen sowohl die Herausforderungen der Pflegesituation als auch Kraftquellen, die zur Entlastung und gegenseitigen Unterstützung beitragen.
Der anschließende Workshop „Gleichberechtigt als pflegende Angehörige“ stellte die Stärkung der Care-Partnerschaft in den Mittelpunkt. Gemeinsam mit Claudia Hillebrandt reflektierten die Teilnehmenden Belastungen und diskutierten Entlastungsmöglichkeiten für Pflege- und Beziehungsalltag. Der begleitende Marktplatz „Pflege“ im Hauptraum ergänzte das Angebot und gab einen Überblick über vorhandene Unterstützungsstrukturen.
Workshop „Care-Fair-Future“
Im Workshop „Care-Fair-Future“ setzten sich die Teilnehmenden mit persönlichen und gesellschaftlichen Glaubenssätzen rund um Sorgearbeit auseinander. In kleinen Gruppen wurde diskutiert, welche Vorstellungen über Verantwortung, Rollenbilder und Care-Arbeit uns prägen – und welche davon wir vielleicht hinterfragen oder neu denken möchten.
Dabei entstanden neue Perspektiven und auch neue Glaubenssätze, etwa: „Auch meine Bedürfnisse zählen“ oder „Ein toller Beruf und Kinder passen zusammen“. Diese neuen Gedanken hielten die Teilnehmenden kreativ auf Postkarten fest – als persönliche Statements, die sie aus dem Workshop mitnahmen.
Kunst & Performance:
Auch künstlerische Formate haben den Equal Care Day geprägt und das Thema Sorgearbeit auf eine emotionale und körperlich erfahrbare Ebene gebracht. Besonders eindrücklich war die Performance „Belastungskörper“ der Künstlerin Ina Kurotschkin (SHIA Berlin), in der sichtbar wurde, wie sich die vielen Anforderungen und Erwartungen rund um Care-Arbeit verdichten können. Während der Performance verstrickte sich die Performerin zunehmend in Fäden – ein starkes Bild für Überlastung, Verantwortung und die oft unsichtbaren Verbindungen von Sorgearbeit. Am Ende konnten Besucher:innen mit bereitliegenden Scheren die Fäden durchtrennen und die Performerin symbolisch aus der Verstrickung befreien – ein Moment, der viele berührte und zum Nachdenken anregte.
Ergänzt wurde das Programm durch die Fotoausstellung „Wir sind viele – Geschichten vom Alleinerziehen“, die in Kooperation mit SHIA Berlin (SelbstHilfeInitiative Alleinerziehender (SHIA) e. V., Landesverband Berlin) gezeigt wurde. Die Fotografin Julia Vogel porträtiert darin Alleinerziehende und ihre Lebensrealitäten. Die Ausstellung machte diese oft übersehene Familienform sichtbar und rückte die Perspektiven von Alleinerziehenden in den Mittelpunkt. 
Ein weiterer besonderer Programmpunkt war das Gespräch am Feuerplatz, das in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Fachverband für Frauengesundheit e. V. und der Kampagne 100.000 Mütter entstand. Rund um eine symbolische Feuerstelle kamen migrantische Frauen zusammen und erzählten von ihren Care-Realitäten – von Verantwortung, Belastung, Solidarität und alltäglichen Strategien des Zusammenhalts. In dieser ruhigen Atmosphäre entstand ein Raum des Zuhörens und Teilens, der vielen Besucher*innen neue Perspektiven auf Sorgearbeit eröffnete.
Ein Festival für die ganze Familie
Parallel zum Fach- und Diskursprogramm gab es ein vielfältiges Kinder- und Familienprogramm, das zeigte: Care betrifft alle Generationen. Während Erwachsene diskutierten oder sich vernetzten, wurde gebastelt, gespielt, gestaltet, caresensiblen Geschichten gelauscht und beim Kinderyoga durchgeatmet.
Der Engagement-Marktplatz mit Hamburger Care-Initiativen lud den ganzen Tag über dazu ein, Projekte kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen und konkrete Mitmachmöglichkeiten zu entdecken. Künstlerische Beiträge und interaktive Aktionen schufen immer wieder neue Gesprächsanlässe und machten deutlich, wie emotional, politisch und kreativ das Thema Care sein kann.
Danke an alle Beteiligten

Wir danken allen Besucher*innen, Mitwirkenden, Referent*innen, Initiativen und Kooperationspartner*innen, die diesen Tag möglich gemacht haben – sowie dem Team des Museums der Arbeit für die engagierte Zusammenarbeit.
Care geht uns alle an. Und wir nehmen aus diesem Tag viel Energie, neue Allianzen und klare Impulse mit: für Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft – und für eine Zukunft, in der Sorgearbeit gleich, gerecht und gemeinsam getragen wird.