An das Haus des Engagements spenden:
18.03.2024

Bunt, gleichberechtigt, zukunftsweisend: Hamburg feiert erstes Equal Care Day Festival

Am 29. Februar haben Menschen aus Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung, Forschung und Wirtschaft auf die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit aufmerksam gemacht

Dabei sein, sich informieren und mitmachen, denn Care-Arbeit geht uns alle an! Unter diesem Motto trafen sich am 29. Februar rund 400 Menschen, um an den vielfältigen Podiumsdiskussionen und Workshops zur Gleichstellung in der Sorgearbeit teilzunehmen, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich zu vernetzen. Hamburgs erstes Equal Care Day Festival verdeutlichte, wie wichtig Care-Arbeit und ihre faire Aufteilung für eine demokratische Gesellschaft ist. Ziel des bunten Festivals war, Sorgearbeit sichtbar zu machen und für Gleichstellung in der bezahlten und ehrenamtlichen Care-Arbeit einzutreten. Schon die Eingangsworte der Vize-Präsidentin der Bürgerschaft, Mareike Engels, zeigten, welche Relevanz das Thema für das Funktionieren einer modernen und gleichberechtigten Gesellschaft hat.

Equal Care Day Festival: zum ersten Mal in Hamburg

Im Rahmen von Panels, Podiumsdiskussionen und Workshops bot das Festival ein vielfältiges Programm und neue Perspektiven rund um das Thema Care-Arbeit – für Veränderungen von Morgen. Namhafte Speaker:innen aus Politik und Forschung, Zivilgesellschaft sowie von Unternehmensseite gaben auf der Bühne Einblicke. Mit dabei waren u.a. Deutschlands bekannteste Zeitgeist-Forscherin und Autorin Kirstine Fratz, Mareike Engels, MdHB, Sprecherin für Soziales, Frauen und Gleichstellung der GRÜNEN Bürgerschaftsfraktion und Vizepräsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft, und Tim Angerer, Staatsrat der Sozialbehörde für den Bereich Gesundheit und Arbeit. Auf dem Marktplatz der Möglichkeiten und in Workshops tauschten sich Expert:innen und Besucher:innen rege aus. Ein weiteres Highlight der Veranstaltung war die abendliche Lesung mit Alexandra Zykunov: Die Bestseller-Autorin, Journalistin und Speakerin teilte Fakten und Anekdoten aus ihrem neuen Buch „Was wollt ihr denn noch alles?!“.

Care-Arbeit: ein Thema mit vielen Gesichtern

Die Akteur:innen in Hamburg waren sich einig: Care-Arbeit ist das Fundament eines guten Miteinander und einer gesunden Demokratie. Denn Care findet sich als bezahlte und unbezahlte Fürsorge und Selbstsorge überall im Leben. Die meisten Menschen leisten Sorgearbeit: für die eigenen Kinder, die pflegebedürftigen Eltern oder für Menschen mit Behinderung innerhalb der Familie oder auch beruflich. Wer für jemanden sorgt, weiß, wie viel Zeit und Arbeit das bedeutet. Das Equal Care Day Festival und die im Kontext stehenden Aktionen dienen dazu, die Sichtbarkeit von Care zu erhöhen und für Gleichstellung, Empowerment, Wertschätzung und Bildung einzutreten.

Aktuell zeigt die Care-Landschaft eine beachtliche Ungleichverteilung von Sorgearbeit, insbesondere mit Bezug auf das Geschlecht: Der sogenannte Gender Care Gap liegt aktuell bei 43,8% – Frauen verbringen im Durchschnitt knapp 30 Stunden pro Woche mit unbezahlter Arbeit, Männer knapp 21 Stunden. Dieses und weitere Ergebnisse der Zeitverwendungserhebung (ZVE) 2022 hat das Statistische Bundesamt (Destatis) am 28. Februar 2024 in einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt.

Der Gender Care Gap begünstigt eine Vielzahl weiterer Herausforderungen in der Gleichstellung, zum Beispiel den Gender Pay Gap, also den Verdienstabstand pro Stunde zwischen Frauen und Männern: Der Gender Pay Gap liegt aktuell bundesweit bei 18 %- Männer verdienen demnach durchschnittlich 18 % mehr Lohn pro Stunde als Frauen.

Dabei zielt Equal Care nicht nur auf die gleichwertige Verteilung von Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern, sondern auch auf die gerechte Aufteilung zwischen den Gesellschaftsschichten. Das Mitwirken zahlreicher gemeinnütziger Träger aus den Bereichen Gesundheit, Pflege, Betreuung, Bildung, Inklusion und Integration am Festival hat darauf aufmerksam gemacht. Denn deren hauptamtlich und ehrenamtlich Engagierte stellen große Teile von Hamburgs Daseinsvorsorge, die allen zugutekommen.

 

We care for Hamburg – Wir sorgen für Hamburg

Veranstaltet wurde das Equal Care Day Festival 2024 von einem großen Netzwerk: Der Landesfrauenrat Hamburg e.V. und der AKTIVOLI-Landesnetzwerk Hamburg e.V. mit dem Haus des Engagements sind Veranstalter:innen und haben mit über 60 Partnerorganisationen hamburgweit zusammengearbeitet. Eine Community aus über 120 Speaker:innen, Referent:innen, Marktplatz-Akteur:innen und Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen haben das Festival möglich gemacht. Gefördert wurde das Event von der Behörde für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke (BWFGB) und von der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE).

Das Hamburger Festival war außerdem Teil der bundesweiten und internationalen „Initiative Equal Care“ von klische*esc e.V., die sich jährlich unter dem Motto #GemeinsamLauter zum Themenbereich #EqualCare zusammenschließt.

Das langfristige Ziel der Veranstalter:innen ist, das Thema Equal Care regional zu verankern und gemeinsam mit der Community für gerechte Bedingungen in der Sorgearbeit einzutreten. Ein Equal Care Day Festival für 2025 ist ebenfalls in Planung.